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Datenfreak und Adlerauge

Während in der Kindheit von Mike Pilko neben dem Fußball auch der Skisport ein großes Thema war, hat sich das in den letzten Jahren doch in eine deutliche Richtung bewegt. Aber alles der Reihe nach:

Ein Wirbelbruch hat die Sportträume des Leogangers allerdings sehr früh begraben und eine harte Zeit sollte auf den heute 42-Jährigen zukommen. „Ich habe meine Füße einige Zeit nicht mehr gespürt, das war alles andere als eine angenehme Situation. Nach einer langen Reha-Phase habe ich auf Empfehlung mit dem Klettern begonnen. Das hat mir geholfen meinen Rücken zu stabilisieren, somit konnte ich echt wieder viel machen. Die Muskulatur hat das alles zusammengehalten. Es war für mich aber ein sehr herausfordernder Lebensabschnitt, der mich sicherlich geprägt hat“, erinnert sich Pilko zurück.

In dieser Phase begann Pilko zu filmen und probierte viel herum, und das sollte sich sehr schnell bezahlt machen. Am Anfang waren es noch coole Bilder und Videos seiner Freunde, aber es wurde kontinuierlich mehr. Eines Tages lernte der Leoganger zufällig Hans vom ORF kennen, mit dem er nicht nur lange zusammenarbeitete, sondern der ihm auch den Floh „mach dich mit deinen Qualitäten doch selbstständig“ in den Kopf gesetzt hat. „Ich habe echt lange überlegt und hatte einige schlaflose Nächte. Das war genau in der Phase, in dir wir Haus gebaut haben und meine Kinder auf die Welt gekommen sind. Ich muss sagen, ich habe vorher als Programmierer gearbeitet und habe mir nebenbei schon meinen Grundstock für die Selbstständigkeit aufgebaut – aber es ging sich alles nicht mehr zeitlich aus. Von dem her, war der Start gesichert. Ich habe den Schritt bis heute in keiner Sekunde bereut“, berichtet der 42-Jährige. Unter anderem zählen seit Jahren Firmen aus dem heimischen Tourismus, Red Bull, ORF Sport+, et cetera zu seinen Kunden.

Kleine Kamera mit großer Wirkung

Eine GoPro als Türöffner – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Als einer der ersten Salzburger ließ sich Pilko vor vielen Jahren eine GoPro aus Amerika schicken. „Ich dachte, das ist nur ein Kinderspielzeug – wollte sie aber unbedingt haben und testen. Ich war dann echt schnell davon begeistert. Ich habe dann coole Actionvideos damit gemacht. Und dann ist der Tourismusverband auf mich zugekommen, ob ich nicht für sie auch einen lässigen Clip machen könnte – mein Style hat ihnen wohl gefallen“, schmunzelt Pilko und ergänzt: „Viele Leute tun sich damit noch schwer, entscheiden erst, wenn sie was ähnliches gesehen haben. Darum versuche ich immer Schritte nach vorne zu machen und meinen USP zu stärken und auszubauen.“

Rückkehr in anderer Funktion

Doch irgendwann kam der Punkt, wo Pilko wieder zum Fußball zurückkehrte und seine Liebe zu Daten und der Spielanalyse entdeckte. Schnell absolvierte er neben mehreren Trainerausbildungen (UEFA B Lizenz) auch das Institutszertifikat „Spielanalyse im Amateur- & Nachwuchsfußball“ sowie das Hochschulzertifikat „Spielanalyse im professionellen Fußball“, wo unter anderem Alexander Schmalhofer, der beim FC Red Bull Salzburg im Hintergrund eine große Rolle spielt und als großer Taktikfuchs gilt, eine prägende Person während der Ausbildung war. „Ich habe mich da immer mehr reingearbeitet und viel probiert, auch beim Training meiner drei Söhne. Am Anfang habe ich mir alles in mein Schnittprogramm eingezeichnet, das war echt viel Arbeit. Erst später habe ich mir die passende Software gekauft, das hat es dann einfacher gemacht. Speziell aber der Austausch mit anderen Teilnehmern bei den Kursen hat mir sehr viel gebracht – der Kontakt besteht heute noch“, erklärt der Leoganger, der seit fast zwei Jahren beim FC Pinzgau Saalfelden als Co-Trainer und Videoanalyst beschäftigt ist.

Neuland für viele Spieler

„Im heutigen Fußball ist der Co-Trainer der Videoanalyst. Wichtig ist, dass man gleich denkt, wie der Trainer. Es gibt zwei Varianten: Entweder ich analysiere nur die eigene Mannschaft oder den Gegner. Wir hatten am Anfang den Fokus auf unseren Spielern, haben das dann aber auch auf die anderen Teams ausgeweitet. Es geht oft nur um ein paar Sekunden, aber man sitzt lange, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Immerhin soll es dann ja jeder gleich verstehen und das, was wir uns denken, einfach transportiert werden! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jeder Spieler anders darauf reagiert und es anders aufbereitet braucht – es geht um kleine Bausteine, damit es jeder aufnehmen kann“, gibt Pilko, der neben der Mannschaftsanalyse auch individuelle Analysen durchführt, interessante Einblicke.

Auch in Zukunft wird sich auf diesem Segment, speziell auch im Amateurbereich, noch einiges tun, da ist sich der 42-Jährige sicher, auch wenn es ein großes aber gibt: „Julian Nagelsmann vom FC Bayern München hat das unlängst ganz gut analysiert. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo man nicht alles komplett zerlegen muss. Es ist immer noch Fußball und man kann nicht alles vorhersagen. Man muss da auf eine Grenze schauen, sozusagen ein Mittelmaß finden und sich eine gewisse Flexibilität beibehalten. Arjen Robben ist da ein perfektes Beispiel: Jeder Verteidiger hat gewusst, was er macht – trotzdem hat er die besten Defensivspieler überspielt und ist zum Abschluss gekommen.“

„Vieles in diesem Bereich ist sehr mathematisch und datenfixiert, auch ich bin in gewisser Weise ein Datenfreak, aber alles mit Maß und Ziel. Oftmals werden Spieler nur anhand ihrer Daten analysiert und erst im zweiten Schritt beschäftigt man sich mit der Person und wie er sich auf dem Spielfeld macht – ich denke, man muss da eine gute Balance finden“, so Pilko, der als ehrgeizige und verlässliche Person gilt und offen ist für Neues und Veränderung.

Der Traum Bundesliga

Der Co-Trainer und Videoanalyst des FC Pinzgau Saalfelden hat in den letzten zwei Jahren definitiv im Erwachsenen Fußball Fuß gefasst und stand bereits in Gesprächen mit einem Profiverein in Österreich, doch Corona machte diesem Schritt vorerst einen Strich durch die Rechnung. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben, denn der Traum ist definitiv die Bundesliga – da macht Pilko kein Geheimnis draus: „Natürlich braucht man Ziele, und ich will in meinem Tun weiterkommen. Irgendwann wird der nächste Schritt kommen, da bin ich mir sicher!“

Und wenn der 42-jährige Pinzgauer nicht analysiert und Videos schneidet, bildet er sich regelmäßig weiter, beispielsweise im Bereich Scouting und Ernährung im Spitzensport. Für seinen Alltag holt er sich seine Kraft in der Natur. In den Bergen und am Snowboard findet er wieder seine Mitte und viel Energie für seine weiteres Schaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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